Das 8. virtuelle POPEN-Interview

 

Heute fragt: "Kanzelhecht", Wochenzeitung der vereinigten protestantischen Freifischerverbände

KH: Herr Thumser, für unsere Rubrik "Wie war das eigentlich?" möchten wir Ihnen heute einige Fragen zu Ihrem Ausscheiden aus dem legendären Trio "DIE GROBEN POPEN"...

Thumser: Moment mal. Was heisst hier "Ausscheiden"? Das klingt ja so, als hätte ich die Trennung gewollt. Mitnichten. Der Tross der Combo ist stattdessen einfach links ausgeschert, während der Kopf der Band seinen Kurs geradeaus weiterzog.

KH: Sie spielen damit auf konzeptionelle Diskrepanzen an zwischen Ihnen und...

Thumser: Quatsch! Man hat mir schlicht die Gefolgschaft verweigert. Es kann nun mal nur einen Chef geben. Alles andere ist Gequatsche.

KH: Aber gibt es nicht auch auf der theologischen Ebene den trinitarischen Gedanken, der...

Thumser: Lassen Sie mal die Kirche im Dorf, Mann. Es gab und gibt immer noch nur einen Schöpfer, und der bin ich.

KH: Sie meinen, bandbezogen sind Sie...

Thumser: ... bin ich nun mal der Erfinder des Ganzen. Und wer da meint, ohne mich etwas bewegen zu können, hat seine Rechnung ohne den Boss gemacht!

KH: Sie waren Sänger und Gitarrist der Dreierformation. Wie beurteilen Sie die musikalische Zukunft der Band ohne Ihre...

Thumser: Hahaa! Sehen Sie sich die Restpopen doch mal an: Den Schlagdeppen Konrad, der schon beim Aufnahmerehearsal als Gitarrist durchgefallen ist... . Jaja, Sechs Saiten sind eben doch was anderes als zwei Stöckchen!

KH: Und Ihr anderer Kollege, der...

Thumser: Ex-Kollege, wenn ich bitten darf!! Ex-Kollege. Wer den Pfad der Rechtgläubigkeit verlässt, muss eben gehen!!

KH: Ja, aber musikalisch...

Thumser: Musikalisch? So weit ich aus gewöhnlich gut unterrichteten Frauenkreisen informiert bin, übt sich Cran derweil im Sprechgesang! Da kann ich nur die Bemerkungen unserer Gottesdienstagende zum liturgischen Gesang zitieren: "Wenn der Kandidat nicht singen kann, so spricht er"...

KH: Sie halten das also für einen Rückschritt in bezug auf...

Thumser: Fest steht, dass ich der Einzige bin, der (immer noch) singen kann! Wenn es sein muss, singe ich jeden in Grund und Boden, der es wagt, seine Stimme neben mir zu erheben. Ich hätte selbst damals beim Sängerkrieg auf der Wartburg...

KH:: Sicher hätten Sie. Aber das sind jetzt historische Reminiszenzen, die...

Thumser: Ja.

KH: Das beinhaltet üblicherweise eine gewisse Euphorie über den Verlust, vergleichbar der Entpuppung eines Schmetterlings, der die zwängende Schale abstreift und sich der lichten Schutzlosigkeit seiner nun luftgreifend raumumspannenden Flügel hingibt.

Thumser: Gewiss, Gevatter. Aber Wahrheit muss Wahrheit bleiben. Wenn ich wieder ins Rennen gehe, werde ich die Nase voll, äh vorn haben.

KH: Das klingt nach einer Konkurrenzunternehmung. Wollen Sie denn...

Thumser: Für mich gibt es keine Konkurrenz. Alle die weltverbessernden Kleingeister stecke ich unter einen Daumennagel, wenn es sein muss. Diese dummschwätzenden Oberlehrer, die dem Publikum die Welt erklären wollen, statt es zu unterhalten.

KH: Sie hingegen möchten...

Thumser: Ich halte dem Publikum den Spiegel vor, statt es mit meiner Interpretation der Welt zu langweilen. Sie sehen ihre eigen Fratze und dürfen sich über alles ärgern, was in ihnen selber steckt. Dazu muss ich keinen theologischen Klamauk vom Zaume brechen

KH: Das klingt nicht sehr brüderlich in bezug auf...

Thumser: Das Band der Bruderschaft wurde zerschnitten von ignoranten Besserwissern. Die haben auf ihrer Homepage noch nicht mal kapiert, dass ich wieder glücklich verheiratet bin! Aber das alles wird wie Stückwerk im Angesicht des Ganzen von der Bildfläche verschwinden. Nun aber bleiben: Thumser, Thumser, Thumser. Ich aber bin der Größte unter ihnen.

KH: Die Herren Thumser: Wir danken Ihnen für die Audienz.

Thumser: Wohl bekomm's!

Das Interview wurde geführt von Stanislaus Müller-Aal, freischaffender Journalist im Bereich der spirituellen Fischvermehrung.

 

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