Heute fragt: "Sigmundsruf", Monatsblatt des Sigmund-Freud-Freundeskreises pastoraler HobbypsychotherapeutenSR: Herr Konrad, wir möchten ihnen als Schlagzeuger der bisherigen Dreierformation der GROBEN POPEN einige Fragen bezüglich des Innenlebens der Bandseele stellen. Konrad: Gerne. SR: Wie wir aus der Presse und von gewöhnlich gut unterrichteten Kanzelschwalben hören, hat ihr bisheriger Sänger und Gitarrist Pfr. Hartmut Thumser die Band verlassen? Konrad: Stimmt. SR: Kann man diesen Vorgang als letztlich psychohygienischen Selbstheilungsakt einer Korporalpsyche bezeichnen, einer Abspaltung und Projektion nicht integrierbarer Anteile in ein äusseres Ego vergleichbar, identitätsschützend und –stiftend zugleich? Konrad: Gut formuliert. SR: So, als würde das Gesamtwesen ein temporäres funktionales Defizit einer schleichend chronischen Debilisierung der Gesamtstruktur vorziehen? Konrad: Exakt. SR: Dürfen wir vermuten, dass diesem in seiner expliziten Entschiedenheit doch sehr aggressivem Schritt eine längere kollektivneurale Störung mit latenten Ausfallprofilen in essentiellen Bereichen vorausging? Konrad: Sie dürfen. SR: Gemeinhin vermuten wir Freudianer, dass in einem solchen Fall auch die subkulturelle Triebstruktur der Gesamtpersönlichkeit in bracchiale Interferenzen geraten ist. Konrad: So ist es. SR: Auf die basisödipale Komponente einer Dreimännerformation bezogen hiesse das: Es ist nicht mehr klar, wer mit wem, in welcher Reihenfolge, und wozu und wogegen. Konrad: Hm. SR: Jedenfalls ist mit Pfr. Thumsers Ausscheiden der explizit klerikale Faktor aus der Band gewichen. Dies kann man tiefenpsychologisch als einen Akt der Emanzipation vom Überich bei gleichzeitiger Freisetzung bisher gebundener sexualinvolventer postpubertärer Manifestationsenergien verstehen. Konrad: Schon. SR: Das heisst, das erwachsene Gesamtich zeigt sich angesichts des überwundenen Überichs nun erst recht als überlebensfähig und –willig. Konrad: Ja. SR:: Das beinhaltet üblicherweise eine gewisse Euphorie über den Verlust, vergleichbar der Entpuppung eines Schmetterlings, der die zwängende Schale abstreift und sich der lichten Schutzlosigkeit seiner nun luftgreifend raumumspannenden Flügel hingibt. Konrad: Tja. (pfeift geniesserisch) SR: Auf die Bandebene transponiert würde dies bedeuten, dass in absehbarer Zeit die momentan unbesetzten Funktionen der musikalischen Gesamtaussage sich in überraschender Weise komplettieren und in bisher nicht gekannter Form profilieren würden!? Konrad: Tja ja. (pfeift noch geniesserischer) SR: Ihrer gelassenen Ausstrahlung entnehmen wir, dass besagte Dinge schon im Gange sind? Konrad: Naja. SR: Dann wäre also die Umstrukturierung der GROBEN POPEN als gelungenes Beispiel zu betrachten für die Regernationsfähigkeit einer postchristianisierten Kollektivpsyche nach der Überwindung ihres konfessionellen Schattens. Konrad: Schön gesagt. SR: Oder – um es theologisch zu formulieren – der Auszug aus dem verordneten Paradies in das selbst gewählte. Konrad: Genau. SR: Dann dürfen wir uns – bleiben wir mal auf der theologischen Ebene – also auf weitere musikalische Offenbarungen aus der Tiefe der Erkenntnis weltumspannender Popenbetrachtungen der Dinge des Seins freuen? Konrad: Sie dürfen. SR: Und auf CD-trächtige Produzentenkontakte? Konrad: Sie dürfen. SR: Und auf ein knackiges und geiles Bühnenkonzept mit multisensorischen Erfahrungsmöglichkeiten? Konrad: Sie dürfen. SR: Und auf die Demaskierung der letzten heiligen Kühe unserer hintersten seelischen Schlupfwinkel? Konrad: Sie dürfen. SR:(pfeift geniesserisch) Konrad:Übrigens liegt das neue Material in grossem Umfang längst vor. Die POPEN-Werkstatt ist sozusagen voll davon. Ausgewählten Journalisten werden wir in nächster Zeit einige Einblicke da hinein gestatten. Und sie danach zu ihnen auf die Couch schicken. SR: Herr Konrad, wir danken ihnen für diesen informativen Austausch. Das Interview führte Chefredakteur Dr.Hanno von der Augenweide, evang. Theologe und Supervisionär. |
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